Marlene Kuntz

Marlene Kuntz haben in der Neunziger Jahre italienische Musikgeschichte geschrieben. Das erste Album, “Catartica”, erschien im Jahr 1994. Es folgten “Il vile” (1996), und “Ho ucciso paranoia” (2000). Mit “Che cosa vedi” (Oktober 2000), verabschiedeten sie sich von dem was sie vorher bedeutet haben. Das was ihren Stil geprägt hatte, ihres sozusagen “Unreif” und “Leichtsinnig” sein, war verloren. Dies darf nicht missverstanden werden. Es bleibt ein Ausdruck des Unbehagens. Alle Gedanken und Gefühle finden freien Ausdruck, auch die Gefühle die etwas mehr aggressiv oder ausfällig sind. Es bleib aber eine “kathartische” Befreiung. Cristiano Godano ist, durch eine ziemlich starke rockige Musik, wie ein Schamane. Die Frust mancher Sachen des Alltags werden verarbeitet und durch die Kunst geheilt. Die ersten zwei Lieder des erstes Album, “M.K.” und “Festa mesta” bringen uns direkt zu dieses Dionysisches Ritus. Es folgt das Lied “Sonica”, bei dem man die kompositorische Bravour der Band genießen kann. Das nachfolgende Lied, “Nuotando nell’aria”, ist eine Ballade, in der Cristiano Godano ein Abschied von Heroin singt. Dieses Lied wurde als das “italienische Creep” (Radiohead) gepriesen. Alle Alben die von Marlene Kuntz in der Neunziger erschienen, haben eine erstaunliche Ausdruckkraft. Hört selbst rein. Danach würden Sie sozusagen “Verantwortungsvoll”, und verloren ihre Kunst, musikalisch und bei den Texten. Viele Fans haben das der Band unterstellt, aber die Band selbst hat das nie verstanden. Es ist einfach so geschehen. Manche Sachen macht man eben nur wenn man Jung ist. Ich möchte hier nur von der Marlene Kuntz der neunziger schreiben. Die Music ähnelt an Sonic Youth, aber sie geben was dazu, eine eigene Ausprägung. Wie schon gesagt, sind die Texte sehr direkt. Sie erfassen sich mit das Böse, es wird auf den Teller gespuckt. Da singen Sie von Prostituierten, dort beleidigen Sie Typen während einen Fest. Andere erzählen von einen Weg aus der Verzicht, eine Revanche, die aber nicht von einer Leistung ermöglicht ist, sondern durch das Gute und die Hingebung (“Lieve”).

Das Album “Il vile” ist auch ein musikalisches Meisterwerk: unverblümte Liebe, Wut, aber auch die Beschreibung des Entweihende durch Hoffnung und Liebe. Wie erwähnt, führt hier der musikalische Ausdruck der Wut, zu seinem Gegenteil.

“Ho ucciso paranoia” ist das dunkelste Album der Band. Das erste Lied (“L’odio migliore”) erzählt von einen Mord. Das zweite (“L’Abitudine”), wie das Wort schon sagt, erzählt von einer Liebe, die nur noch aus Gewohnheiten bestehe. Das dritte Lied beschreibt Prostituierten. In den anderen Lieder des Album, spürt man wie Cristiano Godano seiner eigenen Schwächen Preis gibt. Das letzte Lied (“Un sollievo”) versinkt in einer Art unbestimmtes Nirwana (“La gioia è una bolla, tesoro,/ ci gonfia di ebbra ingenuità,/ poi scoppia e si perde dovunque nel tempo./ La gioia è una stella, tesoro,/ tu sempre la vagheggerai,/ perse le forze nel tuo lamento.” – “Die Freude ist eine Blase, Liebling,/ sie blast uns mit berauschend Naivität auf,/ dann platzt sie und versickert sich überall in der Zeit./ Die Freude ist ein Stern, Liebling,/ du wirst sie immer erträumen,/ kraftlos in deiner Wehklage.”)

Das Album “Che cosa vedi”, wie am Anfang geschrieben, stellt die radikale Änderung der Marlene Kuntz da. Das erste Lied “Cara è la fine” klingt schon nach einen Abschiedes (“Hinterlassen wir eine Berührende Erinnerung”). Das Lied “La canzone che scrivo per te” ist mit Deborah Anne Dyer (Skank Anansie) gesungen. Eine „Best Of“ Platte erschien in England. Ich beende dieses Artikel mit ein paar Zeilen aus dem Lied “La mia promessa”: “Möchtest du im Himmel noch mit mir zu tun haben…/ ich frage nicht für mich selbst die ewige Freude der Auferstehung,/ sondern für dich ewige Heilung zu sein,/ und dir das schenken, was ich dir im Leben nicht gebe.”

Grazie